Myhten & Sagen
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Mythen und Sagen

 
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Der Karfunkeldrache
 
In den Alpen lebte vor langer Zeit ein mächtiger Drache, der Vouivre genannt wurde, was soviel wie Schlange bedeutete. Dieser Vouivre war ein gar prachtvolles, juwelengeschmücktes Wesen, seine Schuppen funkelten wie Diamanten, auf dem Haupt trug er eine Krone aus Perlen und mitten auf der Stirn saß ein riesiger, blutroter Karfunkel, der des Drachen einziges Auge war. Dieser Karfunkel strahlte und leuchtete dermaßen, daß es aussah, als wäre der Vouivre von Feuer umgeben, wenn er hoch oben am Himmel flog, und die Eltern erzählten ihren Kindern, daß Sternschnuppen seine Bahn am nächtlichen Himmel kennzeichneten.
Das Untier galt als unbesiegbar. Er lebte nahe eines kleinen Dorfes und suchte sich als Behausung stets die Ruinen eines Schlosses oder einer Abtei, oder er wählte eine Berggrotte oder Felsspalte.
Nur eine einzige Nacht in jedem Jahr war es verwundbar, wenn es seine Behausung verließ, um in einem See zu baden und zu trinken. Wenn der Drache ins Wasser stieg, nahm er den kostbaren roten Karfunkel ab und legte ihn auf die Erde. Völlig blind trank der Vouivre sich dann satt.
Dies wäre eine günstige Gelegenheit gewesen, den Karfunkel zu rauben. Die Bauern in der Umgebung sagten, daß jeder, der mutig genug sei, sich dem Drachen zu nähern und den Karfunkelstein zu stehlen, so reich sein würde wie ein König, während der Vouivre, für immer seines Augenlichts beraubt, dahinsiechen und sterben würde. Dies aber war nur ein Wunschtraum, denn der grausame Drache lebte Jahrhunderte, und es gibt keine Geschichten darüber, daß ihm jemals jemand den Karfunkel abnehmen und sich seines Schatzes bemächtigen konnte.
 
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Der Drache auf Drachenfels
 
Während das linke Rheinufer durch die Römerherrschaft bereits dem Christentum zugeführt war, behaupteten auf dem rechten noch heidnische Horden ihre Unabhängigkeit, machten auch häufig Einfälle auf das andere Ufer und kehrten beutebeladen von da in ihre Heimat zurück. Bei einem dieser Raubzüge hatten sie auch eine christliche Königstochter entführt; der Sohn des Beherrschers der Löwenburg sah sie und entbrannte alsbald in Liebe zu ihr. Allein sie wollte, mochte man ihr nun noch so viel versprechen, ihre Hand einem heidnischen Götzendiener nicht reichen.
Nun wohnte damals in einer Höhle auf einem der sieben Berge, welche sich mit ihren steilen Höhen in den grünen Wellen des wogenden Rheins spiegelten, ein grimmiger Drache – der Schrecken des weiten Landes. Kein Krieger, kein Ritter mochte mit ihm den Kampf aufnehmen, so grimmig blickte er auf seinen kühnen Gegner herab, der bald das traurige Opfer seiner ungestümen Wut werden sollte. Ihm die schöne erbeutete Jungfrau zu opfern, beschloß man im Rat der Großen.
Am frühen Morgen des folgenden Tages, während der Drache noch in seiner Höhle schlief, schleppte man die Christin auf den Felsen und fesselte sie in der Nähe der Höhle an einen Baum. Rundum am Fuße des Felsens harrten eine Menge Neugieriger, auch der Königssohn von der Löwenburg. Gern noch hätte er sein Rachegefühl bezwungen, gern wäre er hinaufgeeilt, der Jungfrau Leben mit seinem eigenen zu schirmen, allein im Rat der Großen war sie dem Tod geweiht worden, und ihm durfte er sich nicht widersetzen.
Ruhig und unerschrocken stand sie da, zog aus ihrem Kleide ein Kruzifix und auf das Bild des Gekreuzigten heftete sie ihren vertrauensvollen Blick. Plötzlich kroch der Drache aus seiner Höhle hervor und spähte wachsamen Auges ringsherum nach Beute. Kaum hatte er das für ihn bestimmte schuldlose Opfer erblickt, so eilte er wütend und schäumend auf dasselbe hin, allein – oh Wunder – als der Drache in der Hand der Jungfrau das Kreuz erblickte, ergriff ihn Schrecken und Betäubung, wer stürzte zu Boden und rollte vom steilen Felsen in den hochbrausenden Strom, wo er in den tobenden Wellen sein ödes Grab fand. Die Heiden eilten herbei und fielen der Jungfrau zu Füßen, preisend den, welcher ihr solche Macht verliehen. Alsbald ließ die Jungfrau aus ihrer Heimat Priester kommen, das Evangelium Christi zu verkünden, und als bei der ersten Taufe auch der Königssohn das Taufwasser empfing, reichte sie ihm zu unverbrüchlicher Treue ihre Hand. Noch heute zeigt man an der westlichen Seite des Drachenfelsens jene Höhle, und wenn in sengendem Herbst die Weinlese dem fleißigen Winzer lacht, dann sammeln auch die Bewohner von Königswinter des Drachen feuriges Blut, das alljährlich am steilen Rücken des Felsens hervorsprießt.
 
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Der Drachentöter zu Xanten
 
Vor langen, langen Jahren bewohnte ein niederländischer Fürst, Siegmund genannt, mit seiner Gemahlin das Schloß Xanten. Sie hatten einen Sohn, Siegfried geheißen, der sich durch außerordentliche Körperstärke auszeichnete, aber auch einen harten, unbeugsamen Sinn besaß. Kaum elf Jahre alt, hatte er keine Ruhe mehr in dem väterlichen Schloß, er sehnte sich hinaus in die ungebundene Freiheit, und so lief er denn eines schönen Tages auf und davon, wanderte den Rhein hinaus und kam endlich am Fuß des Siebengebirges zu dem berühmten Waffenschmied Mimer, bei dem er sich in die Lehre begab.
Zwar zeigte er sich im Heben großer Lasten sehr geschickt, aber als Schmied war er eigentlich nicht zu gebrauchen, denn er zerhieb alle Eisenstangen und trieb durch seine gewaltigen Schläge den Amboß in den Boden. Aber auch sonst machte er sich unangenehm, er fing mit allen seinen Kameraden Streit an, und natürlich bezwang er sie alle und schlug sie zu Boden. Da dachte der Meister darauf, wie er ihn wohl am besten loswerden könne.
Er schickte ihn also eines Tages in den Forst, um Kohlen zu brennen, allein nach einer Gegend hin, wo ein fürchterlicher Lindwurm hauste. Dieser war ursprünglich ein Riese, Fafnir genannt, der Bruder des Schmieds Mimer gewesen und nur in dieses Untier verwandelt worden. Er bewachte aber einen ungeheuren Schatz an Gold und Edelsteinen, den man zuweilen aus den Klüften eines hohlen Berges herausblinken sah. Siegfried zündete also, wie ihm geheißen, hier einen gewaltigen Mailer an, allein auf einmal kam der Lindwurm mit aufgesperrtem Rachen auf ihn los, um ihn zu verschlingen. Da riß er schnell entschlossen einen großen Eichbaum aus dem Feuer und stieß dessen halbverbranntes Ende dem Tier in den Rachen. Vor Schmerz gepeinigt wälzte sich der Drache am Boden und suchte mit seinem ungeheuren Schweif Siegfried zu treffen, allein dieser wußte seinen Schlägen geschickt auszuweichen, und so gelang es ihm, dem ungeheuren Tier den Kopf abzuhauen. Den Wanst warf er dann ins Feuer, allein er erstaunte nicht wenig, als er aus demselben einen Strom von Fett herauskommen sah und einen Vogel singen hörte, der ihm mit menschlicher Stimme zurief, er solle seinen Leib in demselben baden, dann werde er unverwundbar sein, denn seine Haut werde zu Horn werden.
Er folgte natürlich diesem Rat, warf sich entkleidet in das Fett und salbte sich den ganzen Körper damit, nur eine Stelle an der rechten Schulter blieb unberührt davon, denn diese war durch ein von einem Baum gefallenes Blatt zufällig bedeckt worden. Nach vollbrachtem Sieg kehrte er in die Schmiede zurück, erschlug den heimtückischen Schmied Mimer, wählte sich dann aus dessen Waffensammlung das beste Schwert und die glänzendste Rüstung, aus seinem Stall aber das beste Pferd, Grani genannt, und zog dann, um neue Abenteuer aufzusuchen, von dannen. Der Ort im Hardtgebirge aber, wo er den Lindwurm besiegte, heißt bis auf diese Stunde noch der Drachenfels.
 
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Jason und der Drache
 
Jason war einst der Sohn und Erbe von König Aison, dem König von Iolkos. Als König Aison starb, sollte eigentlich Jason den Thronbesteigen, doch Pelias, sein Bruder, riß die Macht an sich. Nun befürchtete Pelias, daß Jason sein rechtmäßiges Erbe einfordern könnte und stellte Überlegungen an, wie er den verhaßten Bruder loswerden könne, ohne daß er selbst in Verdacht geraten würde. So stellte er seinem gutmütigen Bruder die Aufgabe, das sagenhafte Goldene Vlies zu beschaffen, das im Land der Kolcher am Schwarzen Meer von einem furchterregenden Drachen bewacht wurde. Das Vlies war das Fell eines magischen, geflügelten Widders gewesen, den der Gott Hermes einst geschickt hatte, um die Geschwister Helle und Phrixos vor dem Tode zu erretten. Als die beiden auf dem Rücken des goldenen Widders ritten, fiel aber Helle in das Meer, und Phrixos zog allein weiter und erreichte bald das Land der Kolcher. Dort wurde der goldene Widder geopfert und Phrixos übergab das goldstrahlende Vlies des Wundertieres König Aietes als Dank für die gewährte Gastfreundschaft. Der König wußte das Gastgeschenk zu schätzen, behütete es gut und ließ es von einem schrecklichen Drachen bewachen.
Jason unterdessen versammelte einige der tapfersten Recken Griechenlands und begab sich mit ihnen – nach seinem Schiff die Argonauten genannt – auf dem Schiff Argo auf große Fahrt, um das Goldene Vlies zu erringen. Nach vielen Gefahren und Abenteuern landeten sie schließlich im Reich der Kolcher und Jason begab sich alsbald zu König Aietes, um von ihm das Vlies zu fordern. Doch der König dachte gar nicht daran, Jason den begehrten Schatz so einfach auszuhändigen – statt dessen stellte er ihm eine schwere und schwierige Aufgabe, in der Hoffnung, Jason würde an ihr scheitern. Die Aufgabe bestand darin, mit zwei wilden Stieren, deren Füße aus Eisen waren und aus deren Nüstern Flammen schlugen, ein Feld zu pflügen – erst wenn Jason diese Arbeit getan hatte, so würde er das Vlies erhalten.
Des Königs Tochter aber – Medea – hatte sich in den Helden verliebt und wußte um die Schwierigkeit der Aufgabe. So beschloß sie, dem tapferen Jason zur Seite zu stehen und rang ihm das Versprechen ab, daß er sie – falls er mit ihrer Hilfe die Aufgabe meistern würde – heiraten und mit nach Griechenland nehmen würde. Jason fiel es nicht schwer, die Bitte der schönen Königstochter zuzustimmen. Und wirklich – mit ihrer Hilfe gelang es ihm, das Feld zu pflügen und die Stiere zu bändigen.
Als er jedoch seinen Lohn beim König einfordern wollte, stellte dieser erneut eine Aufgabe. Jason würde das Vlies erhalten, wenn er es schaffte, den Drachen zu überlisten und das Fell des Widders zu stehlen. Da der Drache jedoch dem Gott Ares geweiht war, machte es der König zur Bedingung, daß Jason ihn weder verwunden noch töten dürfte. Natürlich kannte Aietes den scharfsinnigen Drachen gut und wußte, daß er stets mit offenen Augen schlief, während er die Augen geschlossen hielt, wenn er wach war, und er hoffte, daß Jason die List nicht durchschauen und darauf hereinfallen würde.
Doch auch Medea kannte das Geheimnis des Drachen und sie belauschte ihren Vater, als er Jason die Aufgabe stellte. Von ihr erfuhr Jason das Geheimnis des Drachen und so warteten er und seine Argonauten bis zur anbrechenden Nacht, wo der Drache die Augen öffnete und einschlief.
Heimlich stahlen sie ihm das Goldene Vlies und segelten an Bord der Argo zurück nach Iolcos, wo Jason Medea zur Frau nahm und mit Hilfe des Goldenen Vlieses sein rechtmäßiges Erbe antreten konnte.
 
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Der Lindwurm zu Stuttgart
 

Bei Stuttgart war ein Keller am Wald im Sand ausgehöhlt. Er gehörte einem Bierbrauer, der darin sein Bier aufbewahrte. In diesem Keller sah man die Mündung eines Loches, das sich weit in die Erde hinein erstreckte. Einst wurde der Brauknecht vermißt, und da er nicht wieder erschien, so glaubten die Leute, er habe sich ums Leben gebracht. Doch auch sein Nachfolger im Dienst verschwand. Der dritte Brauknecht, welcher diesem folgte, schöpfte Verdacht, stellte in den Keller gegenüber der Mündung des Loches einen Spiegel und verbarg sich hinter einem Faß, wo er alles genau übersehen konnte. Nicht lange währte es, da schoß ein greulicher Lindwurm aus dem Loch gegen den Spiegel und fiel tot nieder. Der Brauknecht erntete großen Ruhm von dieser Tat. Andere sagen, er habe den Lindwurm erlegt.
 
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Lanzelots ruhmreicher Kampf
 

Lanzelot, der edle Ritter, der am Hofe König Artus' lebte, erschlug einst einen Drachen und setzte damit große Ereignisse in Gang. Dies ist seine Geschichte:
In jenem Teil Frankreichs, in dem König Pelles herrschte, hatte sich ein gewaltiger Drache in einer Gruft niedergelassen. Jede Nacht machte er sich auf den Weg, um sein grausames Werk der Verstümmelung und der Brandschatzung zu verrichten. Als der tapfere Lanzelot einmal auf seinen Reisen in dieses schwer gebeutelte Königreich gelangte, flehte ihn das Volk in seiner Not um Beistand an. Der ritterliche Lanzelot zögerte nicht lange, sondern begab sich zu der Gruft und öffnete sie – und sogleich stürzte sich der Drache auf ihn , doch Lanzelot gelang es, das Untier zu erschlagen.
Im Inneren der Gruft war folgende Inschrift zu finden:
Es wird kommen ein Leopard von königlichem Geblüt, und er wird diese Schlange erschlagen. Und dieser Leopard wird hier in der Fremde einen Löwen zeugen, welchselbiger alle anderen Ritter übertreffen wird.
König Pelles war diese Inschrift gut bekannt. Er hatte eine schöne Tochter namens Elaine, und er glaubte, wenn Lanzelot ihr beiliege, werde sie das Kind gebären, von dem die Prophezeiung sprach.
Lanzelot aber liebte Ginovar, Artus' Königin, und wollte keiner anderen Dame beiliegen, und sei sie noch so schön. Daher bediente sich König Pelles eines Zaubers und gab Elaine die Gestalt Ginovars. Sie lud Lanzelot am Abend in ihre Kammer ein, und er begab sich bereitwillig zu ihr. Nach neun Monaten gebar Elaine Galahad, welcher getreu der Voraussage der größte Krieger der Christenheit wurde.
 
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Der Schrecken von Kiew
 
Als Kiew mit seinen weißen Palästen die größte und schönste Festungsstadt Rußlands war, gab es viele, viele Helden im Land – doch keiner war so mutig wie Dobrynja Nikitisch, der es wagte, einen Handel mit einem Drachen abzuschließen. Dies ist seine Geschichte:
Wenige Tagesreisen von Kiew entfernt erhob sich am Rande einer weiten, von einem Fluß durchzogenen Ebene das Sorotschinskgebirge, das, wie jedermann wußte, einer Schlange als Behausung diente. Diese Ebene war Drachengebiet, das Reich des vielköpfigen, vielschwänzigen Gorynytsch, eines furchterregenden Untiers, das Kiew seit langer Zeit bedrohte. Nur selten wagte es jemand, der Ebene zu nahe zu kommen, geschweige denn, einen Fuß hineinzusetzen. Aber eines Tages erschien unerschrocken und fröhlich ein junger Mann am Fluß. Es war Dobrynja, der gekommen war, um es mit dem Drachen aufzunehmen.
Er durchquerte die ganze Ebene, ritt einige Stunden am Fluß entlang, aber nichts rührte und kein Drache ward zu sehen. Da es sehr heiß war, stieg Dobrynja ab und ließ sein Pferd grasen und aus dem Fluß saufen und er selbst legte seine Kleider ab und tauchte in die kühlen Fluten.
Kaum daß er einmal untergetaucht war, hörte er auch schon schreckliches Gebrüll und sah den Drachen wie einen Pfeil von den Berggipfeln herabrauschen. Mit peitschenden Schwänzen und schwingenden Köpfen landete er am Flußufer und Dobrynja sprang aus dem Wasser, um den Drachen zum Kampfe zu fordern. Der Kampf war schwer und dauerte lange, aber dem jungen Helden gelang es schließlich, dem Drachen in seiner Kampfeswut mit bloßen Händen drei Schwänze auszureißen, woraufhin das Untier zusammenbrach. Dobrynja schenkte ihm in seinem Großmut das Leben, doch er stellte ihm die Bedingung, daß er sich von nun an nur noch in seinem eigenen Gebiet aufhalten und die Menschen nicht mehr bedrohen solle.
Nachdem er dem Drachen dieses Versprechen abgerungen hatte, kehrte Dobrynja nach Kiew zurück. Doch es stellte sich bald heraus, daß es ein Fehler gewesen war, sich auf das Wort eines Drachen zu verlassen. Gorynytsch rächte sich bitterlich. Ohne Vorwarnung brach er über die Stadt Kiew herein und ließ sich brüllend und schnaubend auf dem Palast im Herzen der Stadt nieder. Nach einer Weile erhob er sich triumphierend wieder in die Lüfte und segelte über die weißen Paläste und goldenen Kuppeln davon – und in seinen Klauen trug er eine Prinzessin, die er aus dem Palast geraubt hatte.
Dobrynja, voller Zorn, legte seine Rüstung an und galoppierte auf seinem Pferd so schnell er konnte zum Sorotschinskgebirge, wo er laut rufend Vergeltung von dem verschlagenen Drachen forderte. Als der Drache nicht aus seiner Höhle kam, begab sich Dobrynja kurzentschlossen hinein – und tatsächlich fand er, was er suchte: die Prinzessin von Kiew, angekettet zwischen Hunderten ihrer Landsleute, die der Drache sich bei früheren Raubzügen geholt hatte. Dobrynja befreite die Menschen und schickte sie zurück in ihr Zuhause. Dann forderte er den Drachen heraus. Einen ganzen Tag lang kämpften sie unter der sengenden Sonne in der Ebene – doch am Ende tötete Dobrynja den Drachen. Mit einer aus Seide von Samarkand gefertigten Peitsche hieb er ihm die Köpfe und Schwänze ab und ließ den Kadaver liegen. Dann setzte er die Prinzessin in den Sattel und brachte sie in ihre Heimatstadt mit den weißen Palästen und goldenen Kuppeln zurück.
 
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Perseus' Sieg
 
#Von allen Drachentötern war keiner so schlau und geschwind wie Perseus, der Sohn des Gottes Zeus und der sterblichen Griechin Danae. Perseus war ein Liebling der Götter – sie wachten über ihn und beschenkten ihn mit allerlei nützlichen und wertvollen Gaben wie Flügelschuhen, mit denen er sich in die Lüfte erheben konnte.
Einmal – so erzählt uns die Geschichte – flog Perseus hoch über Äthiopien hin. Unter sich, um Ufer des Roten Meeres, erblickte er auf einmal direkt an der Brandung an einen Felsen gekettet, eine schöne Jungfrau. Perseus senkte sich aus den Wolken herab und als er sie näher betrachtete, war er von ihrer Schönheit bezaubert und hatte Mitleid mit ihr. Sie erzählte ihm ihre Geschichte, die sein Herz bewegte. Das Mädchen war Andromeda, die Tochter von Kepheus und seiner Gemahlin Kassiopeia, dem Herrscherpaar des Reiches. Und sie berichtete davon, daß ihr Vater, der König, sie auf den Rat eines Orakels hin am Ufer des Meeres ausgesetzt hatte, um sie einem Drachen zu opfern, der das Land verwüstete.
Sogleich eilte Perseus zu König Kepheus und erbot sich, den Drachen zu erschlagen, wenn er dafür Andromeda zur Frau bekäme. Der König, der seine Tochter sehr liebte, war sogleich einverstanden. Doch gerade als Perseus zum Ufer des Roten Meeres zurückkehrte, tauchte der Drache aus den Fluten auf – wütend und tobend wälzte er sich durch die schäumende See zu der gefesselten Jungfrau hin. Doch Perseus mit seinen Flügelschuhen erhob sich sogleich in die Lüfte und griff den Drachen, über dessen gräßlichen Leib schwebend, mit seinem Schwert an. Der Meeresdrache fuhr wutschnaubend herum und stürzte sich auf ihn, doch Perseus war so flink und gewandt, daß er dem Untier einige Male das Schwert in den Körper stoßen konnte. Das Wasser färbte sich rot vom Blut des Drachen. Am Ende hauchte der Drache sein Leben aus und versank für immer in den Fluten. Und noch am selbigen Tag nahm Perseus die schöne Andromeda zur Frau.
 
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Kadmos und der Drache
 
Einst regierte König Agenor über Tyrus und Sidon. Der Herrscher hatte drei Söhne und eine wunderschöne Tochter namens Europa. Auch dem Gott Zeus entgingen ihre Schönheit und Anmut nicht und in Gestalt eines Stieres entführte er die schöne Prinzessin. König Agenor schickte nun ihre drei Brüder los, Europa zu finden und wieder zurückzubringen und die drei jungen Männer machten sich alsbald auf den Weg. Doch es dauerte nicht lange, da mußte sie erkennen, daß die Suche wohl erfolglos bleiben würde und sie beschloßen, ein Orakel zu befragen.
So befragte Kadmos, einer der drei Brüder, das Orakel von Delphi, das ihm folgenden Rat gab:
Lasst ab von der Suche nach Eurer Schwester und gründet stattdessen eine Stadt. Um den rechten Ort dafür zu finden, folget einem weidenden Rind. Die Stelle, an der es sich im Gras zur Ruhe lege, dies sei der richtige Platz.
Die Brüder trennten sich und Kadmos zog los, um besagtes Rind zu finden, und auf seiner Suche fand er tatsächlich eines, ein wildes, das noch nie Joch und Peitsche zu spüren bekommen hatte. Es weidete in einem fruchtbaren Tal, das entlegen und menschenleer war und am Abend legte es sich an den Ufern eines Flußes nieder. So beschloß der junge Mann, dem Rat des Orakels zu folgen und an dieser Stelle eine Stadt zu gründen. Das Rind opferte er der Göttin Athene, dann fiel er am Flußufer in einen tiefen Schlaf.
Athene erschien ihm in dieser Nacht in seinem Traum: eine überaus schöne Frau in weißen Gewändern, mit glänzendem Helm und einem schimmernden Brustpanzer. In den Händen hielt sie eine silberne Lanze und einen Schild und auf ihrer Schulter saß die Eule der Weisheit.
Athene sprach zu Kadmos: " Kadmos, tapferer Recke, du sollst deine Stadt hier gründen. Doch zuvor mußt du einen ungeheuren Drachen töten, der den Quell des Ares bewacht. Und die Zähne des erschlagenen Drachen sollst du in das gepflügte Erdreich säen."
Kadmos zog mutig und unerschrocken in den Kampf mit besagtem Drachen. Das gemeine Untier versuchte, ihn zu überlisten, doch der junge Held kämpfte unerschüttet. Beider Blut floß und sie kämpften so erbittert, daß die Schreie des Helden und das Gebrüll des Drachen hinauf bis in den Olymp zu vernehmen waren, wo sie Göttervater Zeus bei der Ruhe störten. Verdrossen schickte Zeus seine Tochter Athene zu Hilfe, damit Kadmos den Kampf gegen den Drachen beenden konnte. Doch selbst als die Göttin auf dem Schlachtfeld erschien, brauchte der Recke noch einen weiteren Tag, um den Drachen endgültig zu besiegen. Kadmos brach dem toten Untier die Zähne aus dem Kiefer, pflügte ein Feld und säte die Drachenzähne in den mit Blut und Schweiß getränkten Boden. Daraufhin wuchs eine ganze Legion bewaffneter Männer vor seinen Augen aus dem Felde und bekämpften sich gegenseitig, bis nur noch fünf von ihnen übrig waren. Diese legten auf Athenes Befehl ihre Waffen nieder, erkannten Kadmos als ihren König an und knieten vor ihrem neuen Herrscher. Dann machten sie sich daran, die Stadt zu erbauen und legten den Grundstein für die Mauern von Theben. Kadmos regierte von nun an diese Stadt, deren Männer für ihre Tapferkeit und Stärke weithin berühmt wurden, waren sie doch den Zähnen eines Drachen entsprungen.
 
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Der Drachenprinz
 
Einst wurden am königlichen Hofe der Eleonore von Aquitanien die angesehensten Poeten- und Sängerwettstreite des Mittelalters abgehalten. Alle gefeierten Troubadoure versammelten sich hier, um ihre Künste vorzuführen und sich miteinander zu messen und einmal im Jahr wurde von allen der Beste ausgewählt und mit Preisen überschüttet. Einmal gewann ein junger Mann den Preis, der sich sehr geheimnisvoll gab und weder Herkunft noch Namen preisgeben wollte. Eine mysteriöse Aura umgab den jungen Mann, und durch seine Schönheit und Sanftheit wurde er alsbald zum Liebling der Damen bei Hofe. Eine der Damen, Griselda, die jüngste Tochter eines Grafen, verliebte sich unsterblich in den jungen Ritter und gestand ihm eines Tages ihre Liebe. Auch der Troubadour war in Liebe zu ihr entbrannt, und bewegt von der Offenheit der jungen Maid, willigte er ein, sie heimlich zu seiner Frau zu machen und sie mit in sein Heim zu nehmen. Doch er verlangte von ihr das Versprechen, daß sie nie versuchen würde, sein Geheimnis zu lüften und ihn auch nur zu bestimmten Zeiten sehen durfte. Griselda stimmte bereitwillig zu, sah sie es doch als geringes Opfer dafür, endlich mit dem Geliebten zusammensein zu können.
Eines Nachts, als Griselda in den Armen ihres Geliebten schlief, erwachte sie und fand sich in einem fremden Raum wieder, der gar prachtvoll ausgestattet und mit edlen Stoffen und kostbarem Zierrat geschmückt war. Der Troubadour, der neben ihr lag, lächelte und sprach zu ihr: "Dies Haus soll nun auch dein Haus sein, die Diener sind auch deine Diener, die Pferde sind auch deine Pferde, die Zofen stehen nur zu deiner Verfügung, ebenso die Jäger, die Musiker, die Tänzerinnen, du wirst erhalten, was dein Herz begehrt. Alles gehört ebenso dir und du kannst kommen und gehen wann immer du willst. Und wenn du einen Wunsch hast, so sag ihn mir, auf daß ich ihn erfüllen kann." Griselda wünschte sich nichts weiter als die Liebe des Troubadours und war ein wenig verwirrt, als er sie an ihr Versprechen erinnerte.
Sie lebten eine Zeit glücklich miteinander und Griselda fühlte sich wie im Paradies. Ihr Gemahl war ein sanfter und liebevoller Gefährte, nur bisweilen verschwand er hinter einer verschlossenen Tür – doch Griselda stellte keine Fragen und hielt sich an ihr Versprechen. Dennoch wuchs mit der Zeit die Neugier und bald wünschte sie sich nichts sehnlicher, als hinter das Geheimnis ihres Mannes zu kommen. Eines Nachts, als er sich wieder in die seltsame Kammer begab, schlich sie ihm nach und spähte durch den Türspalt, und was sie sah, ließ sie vor Grauen erbleichen. Der Troubadour hatte sich in einen riesigen Drachen mit grünschillernden Schuppen und kräftigen Schwingen verwandelt, und sie konnte nicht verhindern, daß sich ein Entsetzensschrei ihrer Kehle entrang. Der Drachenprinz fuhr erschrocken herum.
Er war so bitter enttäuscht darüber, daß Griselda ihr Versprechen gebrochen hatte, daß er sie zurück an den Hof der Eleonore von Aquitanien bringen ließ, und sie sollten sich nie wieder sehen. Griselda aber konnte ihren Liebsten nicht vergessen und kein Tag verging, an dem sie sich nicht an die Tage an der Seite des geliebten, sanften Drachen erinnerte. Voll Trauer und Wehmut schrieb sie ihren Treuebruch nieder und so gelangte die Geschichte des Drachenprinzen auch bis zu uns.
 
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Tristan und der Feuerdrache

Vor uralten Zeiten, da hauste in Irland ein gar abscheulicher Feuerdrache, der jede Nacht das Volk in Angst und Schrecken versetzte und alles niederbrannte, was ihm in den Weg kam. In seiner Not und Verzweiflung ließ der irische König verkünden, daß derjenige, der das Land von diesem schrecklichen Untier befreien würde, zur Belohnung die Hand seiner schönen Tochter Isolde erhalten würde. Am Hof des Königs lebte zu der Zeit auch Tristan, ein junger Ritter. Er war von seinem Vater, König Marke von Cornwall, nach Irland geschickt worden, um für ihn um Isoldes Hand anzuhalten. Der Ausruf des irischen Königs brachte Tristan ein wenig in Nöte. Er zweifelte ohnehin am Erfolg seiner Mission, denn König Marke war schon alt und es war wohl ein erfolgloses Unterfangen, für ihn um die Hand der jungen und schönen Prinzessin zu bitten. Und nun konnte es geschehen, daß ihm dazu noch jemand in die Quere kam, der den Drachen zu töten vermochte.
Tristan beschloß, selbst auszuziehen, um den Drachen zu erlegen, denn dann hatte er Isoldes Hand sicher und konnte sie zu seinem Vater nach Cornwall bringen. Er wußte über die fatale Wirkung von Wasser auf Feuerdrachen und so füllte er einen großen Weinschlauch damit und hängt ihn über dem Eingang der Drachenhöhle auf, legte sich heimlich auf die Lauer und hoffte, daß der Drache bald herauskommen würde.
Doch Tristan wartete nicht allein auf das Erscheinen des Drachen. Auch der Haushofmeister am irischen Hofe lauerte auf den Drachen. Nicht, daß er das Untier selbst töten wollte – oh nein, der Drache war so wild, daß sich selbst sie tapfersten Helden nicht in seine Nähe wagten, und der Haushofmeister war zudem ein feiger Knopf und hatte nicht vor, sich dem Drachen zu nähern. Doch er war gerissen und gewitzt und hoffte, die Sache zu seinen Gunsten umbiegen und den Ruhm des Drachentöters einheimsen zu können, denn auch er hegte eine geheime Schwäche für die Prinzessin.
So lagen denn beide auf der Lauer, und wirklich kam alsbald der Drache aus der Höhle gekrochen und das Wasser aus dem Weinschlauch regnete auf ihn herab und löschte sein Feuer. Tristan trat ihm mutig entgegen und der Drache war so erbost, daß ein heftiger Kampf zwischen ihnen entbrannte. Nach vielen Stunden grausesten Gemetzels gelang es Tristan schließlich, den Drachen zu töten. Er selbst war so erschöpft, daß er es gerade noch fertigbrachte, dem Drachen die Zunge herauszuschneiden, bevor er das Bewußtsein verlor.
Der Hauhofmeister, der alles beobachtet hatte, war sogleich zur Stelle, als Tristan in eine Ohnmacht sank, er trennte dem Drachen den Kopf vom Körper und brachte ihn dem König, wo er seine Belohnung einforderte und die Hand Isoldes verlangte.
Die schöne Isolde war verzweifelt, denn sie wollte keinen alten Haushofmeister zum Gemahl, auch kannte sie seine Feigheit und wunderte sich darüber, wie er es bewerkstelligen konnte, den Drachen zu erschlagen – und so machte sie sich heimlich auf zu der Höhle des Untiers.
Als sie dort den bewußtlosen Tristan liegen sah, wußte Isolde sofort, welches falsche Spiel der Haushofmeister getrieben hatte. Der junge Ritter gefiel der schönen Dame und sie ließ ihn von den Dienern heimlich zum Schloß zurückschaffen, wo sie ihn aufopferungsvoll pflegte.
Zwei Tage später sollte nun bei Hofe vom Tod des Drachen und der anstehenden Vermählung der Königstochter mit dem angeblichen Drachentöter gekündet werden. Die Adligen hatten sich im Thronsaal versammelt, und Isolde, ganz in Gold und Silber gekleidet, saß an der Seite des Königs und betrachtete voller Abscheu den Haushofmeister, der stolz wie ein Pfau auf seine Belohnung wartete. Doch der König hatte kaum mit seiner Ansprache begonnen, als Tristan in den Saal trat und seine rechtmäßige Belohnung für das Töten des Drachen forderte. Der ganze Hofstaat lachte über ihn und der König verlangte zu wissen, mit welchem Recht Tristan dies verlange. Doch Tristan zögerte nicht, sondern forderte, die Leute sollten in den Rachen des Untiers sehen. Der Haushofmeister tat wie befohlen und er und der König und der ganze Hofstaat erkannten, daß dem Drachen die Zunge fehlte.
" Hier ist die fehlende Zunge!" rief Tristan und präsentierte der staunenden Menge und der lächelnden Isolde das herausgeschnittene Organ, das er sorgsam verwahrt hatte.
So wurde der Betrug des Haushofmeisters entlarvt und er erhielt dafür eine verdiente Strafe. Tristan erhielt für seinen Vater die Hand der schönen Isolde und brachte sie nach Cornwall an den Hof. Ihre Liebe endete mit beider Tod, da sie sich nicht voneinander trennen konnten, doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
 
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Jilocasin
 
Zur Zeit Karls des Großen lebte in der Gascogne ein uralter, weiser Drache namens Jilocasin. Jilocasin war ein Poet. Manchmal verwandelte er sich in die Gestalt eines Menschen und begab sich an den Hof des Königs, wo er als wohlbekannter und angesehener Troubadour geehrt und geschätzt wurde. Als er eines Tages wieder einmal in Menschengestalt durch die Wälder der Gascogne streifte, hörte er einen verzweifelten Hilfeschrei. Jilocasin folgte eilig den Rufen und erblickte eine Frau, die sich mit aller Kraft gegen einige Räuber zu wehren versuchte. Der Troubadour ließ daraufhin seine Tarnung fallen und verwandelte sich zurück in einen Drachen, womit er die Angelegenheit schnell erledigt hatte. Die ohnmächtig gewordene Frau lud er auf seinen Rücken und nahm sie mit in seine Behausung, wo sich seine Diener um sie kümmerten. Die zerrissenen Kleider ließen auf eine Dame von Rang schließen und als die Diener sie entkleideten, entdeckten sie, daß in einem Bündel ein wenige Wochen altes Baby bei sich trug.
Sie pflegten sie gut und die Dame kam alsbald wieder zu Kräften. In Menschengestalt besuchte Jilocasin seine Schützlinge und die Dame versicherte ihm ihren Dank und berichtete ihm von ihrem Schicksal. Sie war, noch jung verheiratet, schon zur Witwe geworden, und nun versuchte ihre Familie, sie zu der Ehe mit einem Cousin zu drängen, noch bevor die Trauerzeit abgelaufen war. Ihr Cousin wußte jedoch nicht, daß von ihrem ersten Gatten ein Kind unter dem herzen trug, und sechs Monate nach der Hochzeit mit ihm, als das Kind geboren wurde, griff er es an und wollte es töten, weil er um seine Reichtümer fürchtete. Da hatte sie mitsamt dem Kinde die Flucht ergriffen, war jedoch den Schergen und Gefolgsleuten ihres Mannes in die Hände gefallen, die sie zurückbringen und das Kind töten sollten. Nur Jilocasin hatte sie vor diesem Schicksal bewahrt. Der Drache war berührt von dem Kummer und der Schönheit der Frau und bot ihr Schutz und Sicherheit in seinem Heim an.
Sie blieben fortan zusammen und wurden unzertrennlich und die Frau erfuhr auch von Jilocasins wahrer Identität, doch das tat ihrer Liebe keinen Abbruch. Seine Sanftmut und Freundlichkeit wog alles tausendfach wieder auf, und der Drache seinerseits fand bei ihr die Freundschaft und das Verständnis, nach denen er so lange gesucht hatte. Sie verbrachten ihre ganze Zeit miteinander, sangen und dichteten und verlebten drei glückliche Jahre. Bald wurde die Frau schwanger und beide sahen der bevorstehenden Geburt ihres Sohnes mit Freuden entgegen, doch die Frau starb im Kindbett. Jilocasin war untröstlich. Mit ihr hatte er seine große Liebe verloren und die einzige Frau, die ihn je so geliebt hatte, wie er war.
In ihrem Andenken sorgte der Drache für die beiden Söhne und machte keinen Unterschied zwischen dem adoptierten und dem leiblichen Sohn. Er lehrte sie nur Gutes und die edelsten Tugenden und machte aus beiden tapfere und gerechte Ritter. Die beiden Brüder, die als "Ritter des Drachen" bekannt waren, wurden für ihren Edelmut und ihre Sanftheit berühmt und konnten zuletzt das Andenken ihrer Mutter rächen, indem sie das Schloß zurückeroberten, welches ihr bösartiger Onkel einst gestohlen hatte.
 
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Der Cuelebre
 
Nahe einer asturischen Stadt lebte einst eine wunderschöne Maid. Sie war jedoch sehr eitel und verbrachte die meiste Zeit damit, in den Tag zu träumen. Oft weilte sie an einer Quelle, bewunderte ihr hübsches Spiegelbild im Wasser und kämmte Stunde um Stunde ihr langes, fließendes Haar. Der Mutter war es nicht recht, daß die Maid so oft zur Quelle ging, und so warnte sie ihre Tochter, daß es gefährlich sei, das Haar so nah bei der Quelle zu kämmen, denn wenn auch nur ein einzig Haar hineinfalle und die Oberfläche kräusele, so würde sie der Geist der Quelle verzaubern.
"Altweibergewäsch", tat das Mädchen die Warnung ihrer Mutter ab und behauptete, es gebe keinen Geist in der Quelle. Doch sie täuschte sich – denn in der Quelle hauste tatsächlich ein mächtiger Geist, eine Nymphe der Ströme und Berge. Dieser Geist beobachtete tagtäglich voller Zorn, wie das Mädchen den ganzen Tag nur mit dem Kämmen ihres Haares beschäftigt war, anstatt beim Wollespinnen oder Brotbacken zu helfen, und die Nymphe lauerte geduldig auf ihre Chance. Denn erst, wenn ein Haar die Wasseroberfläche kräuseln würde, hatte sie die Möglichkeit, einzugreifen.
Eines Tages gab das Mädchen nicht acht und es fiel tatsächlich eines ihrer goldenen Haare in die Quelle. Wütend stieg der Quellengeist aus dem grünen Wasser empor und fragte die Maid: "Hat dich deine Mutter nicht davor gewarnt, den Wasserspiegel zu zerstören?" Doch das Mädchen antwortete stolz: "Ein Haar so golden und so schön wie dieses kann deinen Wasserspiegel nicht zerstören!" Doch der Quellgeist war so aufgebracht, daß sie beschloß, die Maid als Strafe für ihre Faulheit und Eitelkeit zu verhexen. Barfuß, das lange goldene Haar mit Perlen verziert und einer Krone aus Mondlicht, entsieg die Nymphe der Quelle und ließ sich im Gras nieder. Eisig sprach sie ihren Fluch: "Ich werde dich in einen Cuelebre verwandeln. Du wirst erst deine Menschengestalt wiedererlangen, wenn du einem Ritter begegnest, der mutig genug ist, sich nicht vor dir zu fürchten und dessen Herz so rein ist, daß er wahre Schönheit in dir erkennt."
Kaum hatte der Quellgeist die Worte ausgesprochen, verwandelte sich die Maid in den Cuelebre – einen riesigen Drachen, über und über mit grünen Schuppen bedeckt. Heulend und wehklagend machte sich der Drache davon und verbarg sich in einer Höhle am Meer.
Da alle tapferen, jungen Männer, die jemals den Cuelebre zu Gesicht bekamen, jedoch voller Furcht zurückwichen, lebt die eitle Maid, die vom Quellgeist verzaubert wurde, noch immer in der Höhle am Meer und wartet bis heute auf einen Ritter, der sie schön findet, so wie sie ist, damit sie sich wieder in die holde Maid zurückverwandeln kann.
 
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Der Tarasque
 
Einst lebte im Süden Frankreichs in einem großen See ein riesenhafter blauer Wasserdrache mit glänzenden, stählernen Schuppen. Der Drache wurde der Tarasque genannt. Die Menschen, die an diesem See lebten, fürchteten den Drachen sehr, denn von Zeit zu Zeit kam der Tarasque an Land und stahl sich eine Jungfrau.
Die Menschen hätten sich gerne von diesem scheußlichen Untier befreit, doch niemand wußte, was zu tun war, und niemand war mutig genug, sich in die Nähe des Drachen zu wagen. In ihrer Not wandten sich die Dorfbewohner an den König von Frankreich, doch der hatte andere Sorgen und kein Interesse daran, sich um ein so abgelegenes Dorf an den äußersten Grenzen seines Reiches zu kümmern, und so schlug er die Bitten aus. Auch die Ritter bei Hofe waren nicht interessiert, denn der Drache bewachte weder einen Schatz, der ihnen Gold und Reichtum eingebracht hätte, noch hielt er eine Prinzessin gefangen, für deren Befreiung sie Ruhm und Ehre erhalten hätten. Die edlen Herren waren so eitel, daß sie sich lieber auf Turnieren um Ruhm und Ehre stritten, statt sich mit einem Drachen abzugeben, der ihrer Ansicht nach ohnehin nur dumme, schmutzige Bauern fraß.
Gerade in ihrer größten Not, als sich viele der Dörfler bereits mit dem Gedanken trugen, ihr Heim zu verlassen, kam die Heilige Martha in das kleine Dorf. Martha war eine wunderschöne, junge Maid, die weithin für ihre Gutherzigkeit bekannt war und verehrt wurde. Der Rat des Dorfes hielt ihr Erscheinen für ein Zeichen des Himmels und so bat man sie flehentlich um Hilfe. Die tapfere Martha konnte die Menschen nicht leiden sehen und willigte ein, den Drachen zu fangen - allerdings stellte sie den Dorfbewohnern eine Bedingung: sie sollten drei Tage lang zu Gott beten, damit er Martha bei der Überwältigung des Tarasque beistünde. Die Dorfbewohner taten freudig wie ihnen geheißen und warteten hoffnungsvoll auf das Wunder, das nun geschehen und sie von dem bösartigen Drachen befreien würde.
Nach den drei Tagen machte sich Martha auf den Weg zum See, um den Tarasque zu fangen. Der Drache war trotz seiner Wildheit und Hinterlist ein großer Musikliebhaber, und so stellte sich die junge Frau ans Ufer und begann, mit ihrer klaren und süßen Stimme wunderbare Lieder zu singen. Verzaubert von der Reinheit und dem Wohlklang dieser Melodien stieg der Drache aus dem Wasser und legte sich Martha zu Füßen. Schnell schlang Martha ein Seil um den Hals des Drachen, der so verzaubert war, daß er nicht imstande war, Gegenwehr zu leisten, und führte ihn in das Dorf, wo er von den Bauern getötet wurde. Die Stadt heißt zur Erinnerung an diese Begebenheit noch heute Tarascon.
 
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Fafnir
 
Einst gab Odin, der Göttervater, den Eisriesen den Auftrag, eine Brücke zwischen der Erde und Walhalla, dem himmlischen Paradies, zu errichten. Die Eisriesen verlangten von Odin als Belohnung für ihre Arbeit Freya, die Göttin der Liebe – und so geschah es. Als die Brücke fertiggestellt war, wollten die Götter, allen voran Odin, Freya wieder befreien, doch die Eisriesen hielten sie gefangen und verlangten als Gegenleistung den Hort des Rheingolds, der von den Nibelungen bewacht wurde.
Die Götter raubten also den Schatz und übergaben ihn an die Eisriesen, die ihn in eine Höhle brachten und ihn von dem Drachen Fafnir bewachen ließen. Mimir, einer der Zwerge und Schmied, war verzweifelt, denn sie allesamt konnten nichts gegen den schrecklichen Drachen ausrichten. Als der Zwerg erfuhr, daß Siegmund, König und Held aus dem Geschlecht der Wölsungen, in einer Schlacht gefallen war, entschloß er sich, die Erziehung des nun vaterlosen, jungen Prinzen Siegfried zu übernehmen und ihn zu einem Recken zu machen, der so mutig und stark wie sein gefallener Vater sein würde.
Als Siegfried zu einem jungen Mann herangewachsen war, übergab Mimir ihm die zerbrochenen Überreste des Schwerts seines Vaters – dem magischen Balmung. Er lehrte Siegfried, das Schwert neu zu schmieden. Nachdem dies getan war, erzählte Mimir von dem schrecklichen Drachen Fafnir, den Nibelungenschatz, den der Drache bewachte, erwähnte er jedoch mit keinem einzigen Wort. Er redete so lange auf den jungen Siegfried ein, bis dieser sich willig zeigte, gegen den Drachen anzutreten.
Also begab sich Siegfried zur Höhle des Untiers, baute sich unerschrocken vor ihr auf und rief laut nach dem Drachen. Fafnir erwachte sogleich aus seinem tiefen Schlaf und kam aus der Höhle gekrochen, um das Menschlein zu verschlingen, das es wagte, ihn in seiner Ruhe zu stören. Doch Siegfried zog das magische Schwert und parierte furchtlos den Angriff des Drachen und stieß ihm das Schwert in den Nacken. Tödlich getroffen brach das Ungeheuer in einem Meer von Blut zusammen. Einige der Tropfen des magischen Drachenblutes benetzten Siegfrieds Lippen und so war er in der Lage, die Sprache der Vögel zu verstehen. Einige Vögel zwitscherten ihm zu, er solle in dem Drachenblut baden, weil ihn das unverwundbar machen würde, andere wiederum sangen ihm von Mimirs Verrat und dessen Habgier nach dem Nibelungenschatz. Der junge Recke folgte dem Rat der Vögel und badete im Blut des Drachen und von da an war er unverwundbar. Jedoch war ihm während des Bades ein Lindenblatt auf die Schulter gefallen, so diese kleine Stelle nicht vom Drachenblut benetzt wurde. Siegfried bemerkte jedoch nichts davon.
Er ging zurück und tötete den heimtückischen Zwerg Mimir, der nur hinter dem Golde hergewesen war, dann kehrte er zur Drachenhöhle zurück und nahm sich aus dem Schatz einen magischen Helm, der ihn unsichtbar machte und den Ring der Nibelungen. Dann steckte er sein mächtiges Schwert ein und brach auf zu neuen Abenteuern.

 
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